Seit rund drei Wochen ist Uber auch in Gießen aktiv. Der US-amerikanische Fahrtenvermittler ermöglicht es Fahrgästen, über eine App Abholort und Ziel einzugeben und eine Fahrt zu buchen. In Deutschland führt Uber die Fahrten nicht selbst durch, sondern vermittelt sie an lizenzierte Taxi- und Mietwagenunternehmen. In Gießen sorgt der Start vor allem wegen der niedrigen Preise für Aufmerksamkeit. Fahrten innerhalb der Stadt kosten über die App derzeit teilweise nur etwa vier bis sechs Euro.
Dabei handelt es sich um ein Lockangebot zum Einstieg. Regulär werden für vergleichbare Fahrten nach unseren Beobachtungen in der Uber-App eher acht bis zehn Euro angezeigt. Preise, mit denen klassische Taxi- und Minicar-Betriebe nach eigener Einschätzung nur schwer mithalten können.
Top-Minicar bemerkt erste Veränderungen
Bei Top-Minicar, einem der größeren Minicar-Betriebe in Gießen, macht sich die neue Konkurrenz bereits bemerkbar. Ein Mitarbeiter berichtet, dass die Auswirkungen bislang noch nicht besonders stark seien, einen Unterschied merke man aber bereits.
Auch Kunden würden den Start von Uber inzwischen direkt ansprechen. Teilweise heiße es, Uber sei nun in Gießen verfügbar und man wolle deshalb lieber dort buchen. Innerhalb des Betriebs stelle man sich vor allem die Frage, wie die derzeit sehr niedrigen Preise wirtschaftlich möglich seien.
Dass Top-Minicar bislang nicht stärker betroffen ist, hängt nach Einschätzung des Mitarbeiters auch mit dem eigenen Geschäftsmodell zusammen. Neben klassischen Fahrten innerhalb der Stadt übernimmt der Betrieb unter anderem Kranken- und Schulfahrten. Ohne diese zusätzlichen Aufträge hätte Top-Minicar nach Einschätzung des Mitarbeiters wahrscheinlich ein deutlich größeres Problem mit der neuen Konkurrenz.
Gerade für kleinere Minicar-Betriebe, die keine Krankenfahrten übernehmen und stärker von spontanen Fahrten innerhalb der Stadt abhängig sind, könnte der Einstieg von Uber deshalb schwieriger werden.
Auch Themistoklis Sideris, Inhaber von Lahn-City-Car, sieht Uber für seinen Betrieb derzeit nicht als große Gefahr. „Wir haben unsere festen Kunden schon, machen viel Krankenfahrten und für Unternehmen“, sagt Sideris. Damit ist auch Lahn-City-Car weniger stark von klassischen Stadtfahrten abhängig.
Fahrer pendeln teilweise nach Gießen
Wir haben außerdem selbst mit Fahrern gesprochen, die in Gießen über Uber vermittelte Fahrten übernehmen. Nach ihren Schilderungen läuft der Einsatz häufig so ab, dass Uber-gebrandete Fahrzeuge am Stadtrand von Gießen abgestellt werden.
Viele Fahrer pendeln demnach aus der Umgebung und vor allem aus dem Rhein-Main-Gebiet mit ihren privaten Fahrzeugen nach Gießen. Dort steigen sie in die für die vermittelten Fahrten eingesetzten Autos um und übernehmen anschließend Aufträge, die über die Uber-App gebucht werden.
Nach den ersten rund drei Wochen zeigt sich damit ein unterschiedliches Bild. Während größere Betriebe, die zusätzlich Kranken-, Schul- oder Firmenfahrten übernehmen, den Einstieg von Uber bislang vergleichsweise gelassen sehen, könnte der zusätzliche Preisdruck kleinere Minicar-Betriebe stärker treffen. Wie dauerhaft die derzeit niedrigen Preise in Gießen bleiben, wird sich erst noch zeigen.

