Seit dem ersten Gießener Stadtfest 1985 steht André Lotz hinter dem Tresen. Auch beim 40. Stadtfest ist der 66-Jährige wieder dabei und baut seinen Bierstand in der Plockstraße auf. In den Stoßzeiten am Freitag- und Samstagabend sind dort insgesamt zwölf Mitarbeitende im Einsatz. Lotz selbst steht ebenfalls hinter dem Zapfhahn.
Schaustellerfamilie seit sechs Generationen
Das Schaustellergewerbe gehört seit Generationen zur Familie Lotz. Väterlicherseits ist die Familie bereits seit sechs Generationen in der Branche tätig, seine Mutter stammt aus einer Artistenfamilie. Auch seine Eltern Erich und Kläre Lotz setzten sich von Beginn an für die Etablierung des Gießener Stadtfestes ein. Jahrelang betrieb die Familie ihren Stand in der Löwengasse. Später übernahm André Lotz zusätzlich den Stadtfest-Bierstand von Peter Tiedemann, der damals das Ascot in der Ludwigstraße betrieb. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat Lotz zahlreiche Veränderungen beim Stadtfest erlebt. Früher dauerte die Veranstaltung fünf Tage und begann bereits mittwochs, heute läuft sie über drei Tage. Auf dem kurzen Abschnitt zwischen Löwengasse und Seltersweg standen einst fünf große Ausschankbetriebe, darunter sogar ein Doppeldeckerbus. Auch die Lage der Hauptbühne änderte sich: Sie stand zunächst beim damaligen Horten, dem heutigen C&A. Erst später entwickelte sich der Kirchenplatz zum Zentrum des Stadtfestes.
Vorbereitungen beginnen bereits im Winter
Für Lotz beginnt das Stadtfest lange vor dem eigentlichen Veranstaltungswochenende. Bereits im Winter muss die Bewerbung um einen Standplatz bei Gießen Marketing eingereicht werden. Im Frühsommer folgen die Absprachen mit den Brauereien über benötigte Ausstattung und Getränkemengen. Den wichtigsten Umsatz erzielt der Schausteller nach eigenen Angaben am Freitag- und Samstagabend. Die starken Abendstunden gleichen dabei schwächere Zeiten am Vormittag und am Sonntag aus. Besonders wichtig ist Lotz, dass beim Stadtfest bis heute überwiegend regionale Bands auftreten. Ein weiterer Bestandteil sind für ihn die vielen Wiedersehen ehemaliger Gießener Studierender. Menschen aus ganz Deutschland verabreden sich nach Jahren wieder auf dem Stadtfest, teilweise direkt an seinem Stand. „Das ist wie nach Hause kommen“, sagt Lotz.
Auch im Ruhestand hinter dem Tresen
Seit dem 1. Juni ist Lotz offiziell Rentner. Vollständig zurückgezogen hat er sich allerdings nicht: Er arbeitet weiterhin in Teilzeit in der Gießener Vitos Klinik und engagiert sich ehrenamtlich. Auch beim Stadtfest möchte er weiterhin dabei sein. Seine eigenen Kinder haben andere berufliche Wege eingeschlagen. Für Lotz selbst steht deshalb noch kein Ende seiner Stadtfestzeit fest. „Ich mache weiter, so lange es mir Spaß macht.“

