Gießen setzt auf Tempo: Ein neues Innovationslabor an der Justus-Liebig-Universität (JLU) soll den Weg von der Forschung in den Markt radikal verkürzen. Experten aus Politik, Wirtschaft und der EU diskutierten am Freitag, wie Hessen bei Quantentechnologie und Photonik die Nase vorn behält.
Wissenschaftliche Exzellenz ist wertvoll – aber erst die Anwendung schafft Arbeitsplätze und technologischen Fortschritt. Doch warum dauert es oft Jahre, bis eine Entdeckung aus dem Labor im Alltag ankommt? Bei der Veranstaltung „GGN meets Industry“ in Gießen wurde deutlich: Der klassische, langsame Transfer hat ausgedient.
Die Brücke zwischen Labor und Industrie
Im Zentrum der Strategie steht das EFRE-Innovationslabor Prozessdiagnostik. Es fungiert als Beschleuniger für forschungsintensive Zukunftsfelder. Zu den Gästen zählten hochrangige Entscheider wie Christoph Degen (Staatssekretär im Hessischen Wissenschaftsministerium) und Nicolas Gibert-Morin von der Europäischen Kommission.
Das Ziel ist klar: Hessen soll seine Rolle in regionalen und europäischen Wertschöpfungsketten massiv ausbauen.
Diese Schlüsseltechnologien stehen im Fokus
Besonders in Bereichen, in denen Deutschland im globalen Wettbewerb steht, soll der Transfer forciert werden:
- Quantentechnologien & Halbleiter: Die Basis für die Computer von morgen.
- Photonik: Lichtbasierte Technologien für die Industrie 4.0.
- Moderne Materialforschung: Ressourcen schonen durch effizientere Werkstoffe.
Ein neuer Ansatz: Kooperation statt Einbahnstraße
„Technologietransfer ist kein linearer Einbahnstraßen-Weg mehr“, erklärten die Beteiligten. Stattdessen setzt man in Gießen auf ein Ökosystem, in dem Hochschulen und Unternehmen von Anfang an gemeinsam an einem Strang ziehen.
Die Vorteile des neuen Modells:
- Geteiltes Risiko: Entwicklungsrisiken werden zwischen öffentlichen Akteuren und Firmen aufgeteilt.
- Direkter Zugriff: Unternehmen erhalten frühzeitig Zugang zu spezialisierter Infrastruktur.
- Schnelle Kontakte: Prof. Dr. Sangam Chatterjee bestätigte, dass bereits im ersten Jahr intensive Firmenkontakte durch das neue Labor entstanden sind.
Statement aus der Politik
Staatssekretär Christoph Degen betonte die Wichtigkeit starker Partnerschaften: Gerade im internationalen Wettbewerb seien Strukturen wie das EFRE-Innovationslabor entscheidend, um Forschungsergebnisse nicht nur zu gewinnen, sondern sie auch hierzulande wirtschaftlich zu nutzen.
Die JLU Gießen unterstreicht damit ihren Anspruch, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten.

