Wenn Oliver Herbert unter dem Korb der Osthalle steht, hat er längst mehr Basketballgeschichte gesehen als die meisten Spieler auf dem Parkett. Seit 35 Jahren verfolgt er aus nächster Nähe, wie Generationen von Profis kommen und gehen. Stars, die nur eine Saison bleiben. Gegner, die einmal auftauchen und wieder verschwinden. Trainer, Manager und ganze Mannschaften wechseln, doch einer ist immer da: „Wischer Oli“.
Rund 700 Partien hat er inzwischen aus nächster Nähe erlebt. Als die GIESSEN 46ers gestern Abend in der Osthalle auf die Bozic Estriche Knights Kirchheim trafen und das Spiel gewannen, stand Herbert erneut bereit – wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten. Für ihn war der Abend dabei gleich doppelt besonders: Der Mann mit dem Wischmopp feierte an diesem Spieltag seinen 50. Geburtstag.
Viele Fans kennen ihn aus der Osthalle, wenn Hallensprecher Carsten Schäfer ihn mit einem Augenzwinkern als „Kultwischer Oli“ ankündigt. Mit bürgerlichem Namen heißt er Oliver Herbert. Im Gießener Basketball ist der Spitzname längst zur festen Größe geworden.
Mehr als nur der Mann mit dem Wischmopp
Seit mittlerweile 35 Spielzeiten sorgt Herbert dafür, dass das Parkett trocken bleibt, wenn Spieler stürzen und Schweiß auf dem Boden zur Rutschgefahr wird. Doch seine Aufgabe beschränkt sich nicht nur auf das Wischen.
Schon beim Aufwärmen ist er nah am Geschehen. Herbert sammelt Bälle ein, verteilt sie wieder an die Spieler und spielt ihnen Pässe zu, während sie ihre Würfe vorbereiten. Für viele Profis gehört er deshalb selbstverständlich zum Ablauf eines Heimspiels. Dabei hat Herbert selbst eine bemerkenswerte Konstanz vorzuweisen. In dreieinhalb Jahrzehnten hat er gerade einmal vier Spiele verpasst. „Ich habe in den dreieinhalb Jahrzehnten nur vier Spiele versäumt“, erzählt er nicht ohne Stolz.
Vor jedem Heimspiel steht er außerdem in der ersten Reihe bei der Teamvorstellung und klatscht die Spieler ab. Wenn der Boden nass ist und die Schiedsrichter ihn aufs Feld winken, gibt es von den Rängen regelmäßig Applaus. Manchmal sogar Sprechchöre von der Stehtribüne.
Vom Fan zum festen Bestandteil der Osthalle
Dass Herbert längst mehr ist als nur ein Helfer am Spielfeldrand, zeigt sich auch hinter den Kulissen. Bei Saisoneröffnungen steht er mit auf der Bühne, im VIP-Bereich ist er ein bekanntes Gesicht und zeitweise hatte er sogar eine eigene Autogrammkarte.
„Die Basketballer sind für mich wie eine zweite Familie geworden“, sagt Herbert über sein Verhältnis zur Mannschaft, zum Trainerstab und zur gesamten Organisation. Zum Basketball kam er bereits als Jugendlicher. Mit 14 Jahren besuchte er erstmals ein Spiel des damaligen MTV 1846 Gießen. Ein Freund hatte ihn mitgenommen. Wenig später fragte ihn der damalige Manager Jens Röder, ob er sich vorstellen könne, als Wischer zu helfen.
Dass daraus einmal mehr als drei Jahrzehnte werden würden, hätte damals wohl niemand gedacht. Heute gehört „Oli“ für viele Fans genauso zur Osthalle wie das Parkett selbst. Während Spieler, Trainer und Funktionäre über die Jahre wechseln, bleibt er – und steht bei jedem Heimspiel dort, wo er seit Jahrzehnten hingehört: mittendrin statt nur dabei.

