Eine internationale Forschungsgruppe hat in Korallenriffen bislang unbekannte Mikroorganismen mit möglichem Nutzen für Medizin und Biotechnologie nachgewiesen. An der in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie war auch Prof. Dr. Maren Ziegler von der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt. Damit hat die Untersuchung auch einen direkten Bezug nach Gießen.
Für die Studie wurden rund 800 Korallenproben ausgewertet, die während einer Expedition des Forschungsschiffs „Tara“ an 99 Riffen auf 32 Inseln im Pazifik gesammelt worden waren. Die Forschenden analysierten die mikrobielle DNA aus den Proben und kamen zu einem auffälligen Ergebnis: Mehr als 99 Prozent der nachgewiesenen Bakterien- und Archaeen-Arten waren bislang unbekannt.
Was die JLU Gießen damit zu tun hat
Der Gießener Bezug liegt vor allem in der Rolle von Prof. Ziegler. Sie war bei zwei Abschnitten der Expedition selbst an Bord und kümmerte sich um die Probennahme sowie die Probenaufbereitung. Auf einem Abschnitt im zentralen Pazifik leitete sie zudem das wissenschaftliche Programm. Heute ist sie Professorin für Biologie der Holobionten an der JLU und arbeitet seit Jahren im internationalen Tara-Pacific-Konsortium mit.
Die Studie zeigt damit nicht nur ein weltweites Forschungsthema, sondern auch, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Gießen an vorderster Stelle an internationaler Meeresforschung beteiligt sind.
Warum die Ergebnisse wichtig sind
Inhaltlich geht es um weit mehr als nur um Korallen. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass die neu entdeckten Mikroorganismen eine außergewöhnlich große Vielfalt möglicher Naturstoffe produzieren könnten. Solche Stoffe könnten künftig etwa für biomedizinische oder biotechnologische Anwendungen interessant werden.
Vereinfacht gesagt sehen die Forschenden in Korallenriffen deshalb nicht nur einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch eine Art natürliche Wirkstoffbibliothek. Zugleich warnen sie vor dem Zeitdruck: Wenn Korallenriffe durch den Klimawandel weiter zerstört werden, gehen nicht nur sichtbare Lebensräume verloren, sondern möglicherweise auch mikrobielle Gemeinschaften und bioaktive Stoffe, die bislang noch gar nicht entdeckt wurden.
„Unsere Studie zeigt das große Potenzial von Korallenriffen als Bioressourcen“, sagt Prof. Ziegler. Gleichzeitig betont sie, dass dieses Potenzial durch das weltweite Korallensterben schnell verloren gehen könnte. Ziegler ist auch an der neuen Expedition „Tara Coral“ beteiligt, die untersuchen soll, warum manche Riffe widerstandsfähiger sind und wie sich das Korallensterben bremsen lässt.


