GIESSEN (fw). Nach gut zwei Jahren Leerstand ist das Dach-Café in Gießen wieder vermietet. Die Wohnbau Gießen GmbH hat einen neuen Betreiber für die traditionsreichen Räumlichkeiten am Ludwigsplatz gefunden. Noch im Laufe dieses Jahres soll das Dach-Café wieder öffnen. Künftig wird dort italienische Küche angeboten – mit Pizza und Pasta im Mittelpunkt, hoch über den Dächern der Stadt.
Der Betrieb im Dach-Café war zum 1. Januar 2024 eingestellt worden. Seitdem standen die Flächen im 13. und 14. Stock des Gebäudes am Ludwigsplatz 11 leer. Die Neuvermietung gestaltete sich schwierig, da sich der Räumungsprozess mit dem früheren Mieter über einen längeren Zeitraum hinzog und mehrere Parteien beteiligt waren. Erst Anfang 2025 konnte das Gewerbe schließlich öffentlich zur Neuvermietung angeboten werden.

Beim Pressegespräch vor Ort lag heute Mittag noch der Geruch von frisch getrockneter Tinte in der Luft. Wohnbau-Geschäftsführerin Dorothee Haberland sagte stolz: Der Vertrag sei „noch druckfrisch und handwarm“. Erst wenige Minuten zuvor habe man die Unterschriften mit dem künftigen Mieter geleistet. „Das Objekt stand seit Anfang 2024 leer. Es war ein langer Prozess, sich von dem alten Mieter zu trennen. Umso glücklicher sind wir, dass wir heute den Vertrag unterzeichnet haben“, sagte Haberland. Das Dach-Café habe eine sehr lange Tradition für Gießen – und genau diese Geschichte solle nun fortgeschrieben werden.
Umbauarbeiten starten im Frühjahr
Mit einer Fläche von etwas mehr als 1.000 Quadratmetern stellte das Objekt besondere Anforderungen an mögliche Nachmieter. Nun ist der Mietvertrag unterzeichnet und der nächste Schritt steht an. Der erfahrene Gastronom Wolfgang Göbel wird gemeinsam mit seinen Töchtern als Franchisenehmer der Restaurantkette L’Osteria in das Dach-Café einziehen. Göbel betreibt bereits mehrere Standorte der Marke in Limburg und Wetzlar. Das Restaurant in Wetzlar sei nach seinen Angaben nahezu jeden Abend ausgebucht und wird dort von einem General Manager geführt.
Die Umbauarbeiten sollen am 2. März beginnen. Geplant ist eine Investition zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro. Der Fokus liegt künftig auf dem Mittags- und Abendgeschäft, mit vorraussichtlich geplanten Öffnungszeiten von 11.30 Uhr bis 23 Uhr. Zudem ist vorgesehen, die Außenterrasse des Dach-Cafés wieder zu öffnen und in den Restaurantbetrieb zu integrieren. Insgesamt werden rund 55 feste Arbeitsplätze erwartet, ergänzt durch Aushilfen zur Abfederung von Stoßzeiten.
Offene Küche, Terrasse und neues Raumgefühl
Ein zentraler Bestandteil des neuen Konzepts ist die umfassende Umgestaltung des Innenraums. Vorgesehen ist eine offene Küche, außerdem soll eine Wand zwischen zwei Gasträumen durchbrochen werden. Wer künftig aus dem Aufzug tritt, blickt direkt auf die Bar, links und rechts schließen sich die Gasträume an. Zusätzlich entsteht ein kleines Separee, das mit einem Vorhang abgetrennt werden kann und sich etwa für Besprechungen oder kleinere Seminare eignet.
Auch beim Interieur setzt der neue Betreiber auf klare Akzente. Geplant ist ein warmes, stilvolles Ambiente mit viel Holz – innen wie außen. Ziel sei es, keine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, sondern Vielfalt zuzulassen. Der „Aktentaschenträger“ solle sich hier genauso wohlfühlen wie der Rentner mit seinem Dackel oder Studierende. Die Außenterrasse soll diesen offenen Charakter unterstreichen und vor allem in den wärmeren Monaten ein zentraler Bestandteil des Konzepts werden. Das große Dach Café Leuchtschild soll einem der neuen Marke weichen, die anderen links und rechts am Gebäude als Erinnerung und Wertschätzung erhalten bleiben
Respekt vor der Geschichte des Dach-Cafés
Trotz Markenauftritt betonte Göbel, dass es sich nicht um klassische Systemgastronomie handele. Der Betrieb werde im Full-Service-Format geführt, ohne Selbstbedienung oder Automaten. Man gehe den Standort mit einer gewissen Demut an – auch mit Blick auf das Lebenswerk der früheren Betreiberfamilie Bliedung. Ziel sei es, das Dach-Café in ihrem Sinne weiterzuführen, mit Liebe zum Detail und großer Leidenschaft. Entsprechend bleiben die Schriftzüge an der Seite des Gebäudes erhalten, lediglich der mittige Schriftzug wird ausgetauscht.
Eine persönliche Geschichte verbindet Göbel zusätzlich mit dem Ort. Sein Onkel hatte in den 1960er-Jahren in Gießen studiert und im Dach-Café seine spätere Freundin kennengelernt. Heute ist der Onkel 86 Jahre alt – und brennt darauf, diesen Ort zur Eröffnung noch einmal zu besuchen. Auch Familie Bliedung, die das Dach Café damals gründete, soll zu diesem Anlass eingeladen werden.
Ein konkreter Eröffnungstermin steht noch nicht fest. Ziel ist es jedoch, noch vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft die ersten Pizzen und Pastagerichte über den Tresen gehen zu lassen – drinnen wie draußen. Damit soll ein lange leerstehender, für viele Gießenerinnen und Gießener emotional besetzter Ort wieder Teil des städtischen Lebens werden.

