Freienseen (fw). Es gibt Abende, die schreibt nur der Karneval. Und Abende, an denen sich Abschied und Beginn auf einer Bühne vereinen. In Laubach-Freienseen wurde am vergangenen Samstag genauso eine Geschichte Wirklichkeit. Tanzmariechen Saskia Beyer stand ein letztes Mal dort, wo sie seit ihrer Kindheit zuhause ist. Nach 24 Jahren im Freienseener Fasching verabschiedete sie sich mit ihrem letzten Tanz und erlebte anschließend einen Moment, der selbst diesen emotionalen Abschied noch übertraf.
Vom Kinderfasching ins Rampenlicht
Mit drei Jahren begann ihre Reise bei den Mini-Minis im Kinderfasching. Aus dem kleinen Mädchen wurde über die Jahre eine feste Größe im Freienseener Karneval und wurde über die Grenzen hinaus bekannt. Seit 14 Jahren tanzte sie als Tanzmariechen bei der großen Sitzung. Generationen von Narren haben sie aufwachsen sehen, haben ihre Entwicklung begleitet.
„Ich bin quasi auf dieser Bühne groß geworden“, sagt sie. Der Entschluss, aufzuhören, sei ihr nicht leichtgefallen. Schon im vergangenen Jahr stand für sie fest, dass dies ihr letzter Auftritt in Freienseen sein würde. Doch der Abschied vom Heimatpublikum sollte bewusst und würdig sein. „Ich wollte mich noch einmal gebührend vom Freienseener Publikum verabschieden.“
Das Wochenende selbst war geprägt von einer besonderen Doppelbelastung. Erstmals hatte sie sich mit einer Kombination aus Tanz und Bütt beim hr-Format „Nordhessen feiert Karneval“ beworben und durfte teilnehmen. Generalprobe und Aufzeichnung in Baunatal fielen jedoch auf dasselbe Wochenende wie die heimische Sitzung. Am Mittag stand sie noch auf der hr-Bühne, am Abend tanzte sie ein letztes Mal in Freienseen. Am Sonntag war dann die Aufzeichnung in Baunatal. „Es war eine große Ehre, noch einmal bei der Sitzung tanzen zu dürfen.“ Besonders dankbar sei sie Sitzungspräsident „Götzi“ für die Unterstützung.
Tränen nach dem letzten Tanz
Und diesen Abschied bereitete sie sorgfältig vor. Mit einer selbstgeschriebenen Büttenrede blickte sie auf ihre Laufbahn zurück, sprach über Dankbarkeit, Zusammenhalt und die vielen Erinnerungen aus mehr als zwei Jahrzehnten. „Die Büttenrede hat mir geholfen, diesen Abschied emotional zu verarbeiten“, erzählt sie.
Als die Musik zu ihrem letzten Tanz verstummte, war der Moment gekommen. Der Applaus wollte kaum enden. Noch auf der Bühne liefen ihr die Tränen über das Gesicht. 24 Jahre Leidenschaft, Training, Lampenfieber und Glück lagen in diesen Minuten. Viele im Publikum waren sichtlich gerührt. Es war ein Abschied, der unter die Haut ging.
Ehrung mit besonderer Bedeutung
Zusätzliche Emotionen brachte die Ernennung zur „verdienten Fassenachterin“. Der Elferrat hatte die Entscheidung bereits im Vorjahr getroffen. Besonders bewegend für sie war, dass der inzwischen verstorbene Elferrater Sven Bleifuß diese Entscheidung noch mitgetragen hatte. Für Saskia Beyer war es ein Zeichen der Wertschätzung, das ihren Abschied noch bedeutsamer machte. „Somit war es für mich ein sehr emotionaler und würdiger Abschluss meiner Tanzmariechen-Karriere.“
Der Antrag
Doch der Abend war noch nicht zu Ende. Nach Tanz, Rede und Ehrung betrat plötzlich ihr Partner Timon die Bühne. Seit achteinhalb Jahren sind die beiden ein Paar. Und mit dem, was dann folgte, hatte sie nicht gerechnet.
Vor der vollbesetzten Halle ging er auf die Knie und stellte die Frage aller Fragen. Wieder liefen die Tränen. Diesmal noch mehr. Was eben noch der bewegende Abschluss einer langen Tanzkarriere gewesen war, wurde nun zum Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Das Publikum applaudierte minutenlang, viele standen auf.
„Mein letzter Tanz hätte emotionaler nicht sein können“, sagt sie. „Aber dass dieser Abend so endet, damit hätte ich nie gerechnet.“
Freienseen erlebte an diesem Abend den Abschied eines langjährigen Tanzmariechens und zugleich einen sehr persönlichen Moment auf offener Bühne. Der emotionale Schlusspunkt setzte einem ohnehin besonderen Abend eine unerwartete Wendung.
Wer Saskia Beyer noch einmal in Aktion sehen möchte, kann sie am kommenden Sonntag um 20.15 Uhr im hr-Fernsehen bei „Nordhessen feiert Karneval“ erleben.

