Im Landkreis Gießen entsteht gerade eine neue Indoor-Kartbahn. Genauer gesagt in Heuchelheim, in einer Halle, die früher dem Möbeldiscounter Roller als Lager diente. Hinter dem Projekt stehen die Betreiber der seit 35 Jahren bestehenden Kartbahn in Hungen. Noch laufen die Umbauarbeiten, die Eröffnung ist nach aktuellem Stand für Anfang November geplant. Besucherinnen und Besucher erwartet nicht nur eine Kartstrecke, sondern langfristig ein Freizeitzentrum mit weiteren Angeboten. Damit entsteht die erste reine Indoor-Elektro-Kartbahn in Mittelhessen.
Vom Möbellager zur Kartbahn
Wer die Halle derzeit betritt, braucht noch etwas Vorstellungskraft. Die meisten Regale des ehemaligen Roller-Lagers sind inzwischen abgebaut, zurück bleibt eine große, freie Fläche. Für Leon Hess ist genau das der Moment, auf den er lange hingearbeitet hat. Wenn er durch die Halle geht und erklärt, wo künftig die Strecke verläuft und wo die Karts geladen werden, merkt man ihm an, wie viel Herzblut in dem Projekt steckt. Bis hierhin war es allerdings ein langer Weg: Allein die Baugenehmigung nahm mehr als ein Jahr in Anspruch.
Rund 500 Meter Strecke und Elektro-Karts
Die neue Strecke soll nach derzeitiger Planung zwischen 400 und 500 Meter lang werden. Die endgültige Streckenführung steht allerdings erst fest, wenn der Aufbau abgeschlossen ist. Gefahren wird ausschließlich mit Elektro-Karts des Herstellers RiMO. Die Fahrzeuge sind wie für Elektroantriebe üblich deutlich leiser als klassische Verbrenner-Karts und verursachen keine Abgase in der Halle. Zudem befindet sich auf dem Dach der Halle eine Photovoltaikanlage.
„Wir wollten hier bewusst keine Verbrenner einsetzen. Es ist leiser, es riecht nicht nach Abgasen und die Atmosphäre ist einfach angenehmer“, sagt Leon Hess vom Kartbahnbetreiber in Hungen.
Für unterschiedliche Fahrergruppen sollen verschiedene Leistungsstufen eingerichtet werden. Vom Nachwuchs bis zu erfahrenen Fahrerinnen und Fahrern. Im Regelbetrieb sollen die Karts Geschwindigkeiten von rund 60 Stundenkilometern erreichen können. Zusätzlich verfügen sie über einen Boost-Modus, der kurzfristig mehr Leistung freischaltet. Auch beim Boden setzt das Unternehmen auf Qualität. So soll in einen speziellen Rennbelag investiert werden, um möglichst viel Grip und ein realistisches Fahrgefühl zu bieten.

Zum Start entsteht die Kartbahn auf einer Ebene. Eine zweite Fahrebene ist jedoch bereits fest eingeplant und soll nach den erforderlichen Genehmigungen folgen. Langfristig könne sogar eine dritte Ebene entstehen. Ziel sei es außerdem, in den kommenden Jahren die komplette Hallenfläche zu nutzen.
Motorsport liegt in der Familie
Hinter dem Projekt steckt viel Erfahrung aus dem Motorsport. Die Kartbahn in Hungen besteht bereits seit 35 Jahren. Leon Hess stammt aus einer Motorsportfamilie. Sein Vater fuhr bereits gemeinsam mit Rennlegende Stefan Bellof und Michael Schumacher Kart. Hess selbst stieg vor rund viereinhalb Jahren in das Familienunternehmen ein. Heute leitet er das Rennteam in Hungen, trainiert den Nachwuchs, organisiert Veranstaltungen und verantwortet den Social-Media-Auftritt. Außerdem fährt er selbst aktiv Kart und nahm bereits an der Deutschen Kart-Meisterschaft teil.
Sein Geschäftspartner Michael bringt rund 40 Jahre Erfahrung im Kartsport mit. Er wurde sechsmal Deutscher Meister im Kartfahren und zweimal Deutscher Meister im Kart-Slalom. Die Geschäftsführung des neuen Standorts übernimmt zunächst der erfahrene Betreiber. Innerhalb der kommenden zwei Jahre soll Hess diese Aufgabe übernehmen.
Großes Interesse schon vor der Eröffnung
Obwohl die Eröffnung noch einige Monate entfernt ist, stößt das Projekt nach Angaben der Betreiber bereits auf großes Interesse. Schon der erste Beitrag in den sozialen Medien habe eine überraschend große Resonanz ausgelöst. Zudem hätten sich erste Unternehmen gemeldet, die Interesse an einer Zusammenarbeit oder einem Sponsoring signalisiert hätten. Für Hess ist das ein Zeichen, dass die neue Kartbahn einen Nerv in der Region trifft.
Freizeitangebote mit Blick auf die Strecke
Neben dem Kartfahren sind langfristig weitere Freizeitangebote geplant. Billardtische, Dartautomaten und eine zusätzliche Fun-Area sollen das Angebot ergänzen. Entstehen sollen diese auf der oberen Empore der Halle, von dort haben Besucher freie Sicht auf das Renngeschehen. Wer gerade nicht selbst fährt, kann also beim Billard oder Dart mitverfolgen, was unten auf der Strecke passiert. Dieses Konzept sei in Deutschland einmalig, sagt Hess.
Ein festes Bistro ist zunächst noch nicht vorgesehen. Zur Eröffnung soll stattdessen ein Foodtruck die Besucher versorgen. Mit dem weiteren Ausbau soll später auch ein gastronomischer Bereich entstehen.
Mehr als eine Kartbahn
„Wir heißen bewusst Kart & Fun“, sagt Leon Hess. Das Kartfahren bleibe zwar der Mittelpunkt des Konzepts, langfristig solle die Anlage aber zu einem Treffpunkt für Familien, Freundesgruppen und Unternehmen werden. Hess ist überzeugt, dass die neue Indoor-Kartbahn das Freizeitangebot in Mittelhessen sinnvoll ergänzen wird. Bis zur Eröffnung im November bleibt in Heuchelheim noch einiges zu tun. An der Motivation dürfte es dabei nicht scheitern.


